Die Geschichte der Tour de Suisse
Es gibt wenige Radsportveranstaltungen auf der Welt, die so viele unterschiedliche landschaftliche Schönheiten, sportliche Herausforderungen und historische Wendungen vereinen wie die Tour de Suisse. Seit ihrem ersten Startsignal im Jahr 1933 hat diese prestigeträchtige Veranstaltung unzählige Geschichten von Triumph, Niederlage, Mut und unerbittlichem Wettbewerb geschrieben.
Vom 11.-18. Juni findet die diesjährige Tour de Suisse statt – Zeit, diese ikonische Veranstaltung etwas genauer unter die Lupe zu nehmen!
Die Tour de Suisse: Von den Anfängen bis heute
Die Geschichte der Tour de Suisse geht zurück auf das Jahr 1933. Damals bestanden die Tour de France und der Giro d’Italia beide bereits seit der Jahrhundertwende. Anlässlich seines 50. Jubiläums, beschloss der Schweizerische Rad- und Motorfahrer-Bund 1933, die Tour de Suisse ins Leben zu rufen. Die Neue Zürcher Zeitung kommentierte damals, dass die Tage, in denen Radfahrer als Störfaktor auf den Strassen angesehen wurden, vorbei seien.
Um das Event zu organisieren, benötigte man Etappenstädte, Preisgeld (10’000 Franken, davon 2’000 für den Gewinner), Regularien, Streckenprofile und Zeitpläne. 5000 Streckenposten mussten eingewiesen werden. Bei der ersten Rundfahrt versammelten sich eine halbe Million Zuschauer entlang der Strecke. 46 der 64 Teilnehmer erreichten das Ziel in Zürich. Der erste Sieger, Max Bulla, wurde 1986 beim 50. Jubiläum der TdS als prominenter BLICK-Kolumnist gefeiert. Bulla zog den Unmut der Profis auf sich, als er nach einer gemächlichen Etappe schrieb: „Bei diesem Tempo hätte ich heute locker mithalten können.“
Paul Egli wurde 1934 der erste Schweizer, der eine Etappe gewann, diesmal in Luzern. 1937 war Karl Litschi der erste Schweizer, der den Gesamtsieg davontrug. Der Verband folgte der Anweisung von General Guisan, das Leben in der Schweiz solle trotz des Krieges weitergehen, und führte die Rennen auch während der 1940er-Jahre durch. Bei der sogenannten „Kleinen Tour de Suisse“ nahmen allerdings nur Schweizer Profifahrer teil.
Ferdy Kübler gewann 1942 im Alter von 23 Jahren seine erste von drei Landesrundfahrten – trotz Lebensmittelrationierung und Mangel an Rennreifen! Innerhalb von fünf Tagen wurden 1176 Kilometer zurückgelegt. 1949 gelang den Veranstaltern schliesslich ein grosser Coup: Die vier Grossen des Radsports – Fausto Coppi, Gino Bartali, Ferdy Kübler und Hugo Koblet – waren alle auf der Startliste. Bartali gewann wie schon im Vorjahr mit einer beeindruckenden Leistung.
Während Italien stolz auf Coppi und Bartali war, glänzt die Schweiz mit Ferdy Kübler und Hugo Koblet. Hugo Koblet gilt als der erste Schweizer Sportstar. Er war berühmt bei den Frauen und führte ein luxuriöses Leben, bis ihm schliesslich das Geld ausging. 1950 gewann er als erster Nicht-Italiener den Giro, und einen Monat später seine erste Tour de Suisse. 1952 triumphierte er bei der Tour de France.
Doch Koblets Aufstieg sollte schon bald ein Ende haben: Während der Rundfahrt im Juni 1952 erkrankte er. Carl Senn, der Präsident des Verbands, entsandte einen Arzt zu Koblet mit der Anweisung: „Machen Sie ihn fit, koste es, was es wolle!“ Gegen seinen Willen und ohne sein Wissen wurden Koblet daraufhin Amphetamine injiziert. Das Stimulans schädigte sein Herz und seine Fähigkeit, Steigungen zu bewältigen, wurde drastisch beeinträchtigt. Ab einer Höhe von 1500 Metern wurde ihm die Luft knapp.
Nach dem Rückzug von Kübler und Koblet, verliert der Schweizer Radsport in den 60ern an Bedeutung. Die finanziellen Mittel werden immer knapper und die Tour de Suisse droht zu scheitern. Doch dann kommt Sepp Voegeli, ein Biervertreter aus Gippingen, und gibt 1966 eine Bürgschaft von 92’000 Franken ab. Er arbeitet rund um die Uhr und wird 1967 zum Tour-Direktor ernannt. Sein erster grosser Erfolg: Louis Pfenninger (1968) besiegt die Italiener.
Die Tour de Suisse wächst in dieser Zeit stetig an Popularität und Voegeli wird immer anspruchsvoller. Aus dieser Ära stammen einige Anekdoten. Zum Beispiel hatte Voegeli spezifische Vorstellungen über die Haartracht „seiner“ Fahrer und ist bekannt für seine Wutausbrüche über zu viel Haar (Henk Lubberding aus den Niederlanden) oder zu wenig Haar (Mario Beccia aus Italien) auf dem Podium.
Nach einem Vierteljahrhundert an der Spitze verabschiedet sich Direktor Sepp Voegeli 1991 von seiner Position und übergibt das Ruder der viertwichtigsten Radrennveranstaltung der Welt an seinen Nachfolger Hugo Steinegger. Ab dem Jahr 2000 wird das Rennen professionell von den IMG-Leitern Marc Biver und Tony Rominger geführt: Es entstehen Konzepte, Geschäftspläne und Marketingstrategien. Die Schweiz kann mit Oscar Camenzind im Jahr 2000 und Alex Zülle im Jahr 2002 noch zwei Gesamtsiege feiern. Fabian Jeker aus Basel hat 2004 Pech: Er wird hinter Jan Ullrich Zweiter – mit nur einer Sekunde Rückstand.
In den folgenden Jahren erlebt die Veranstaltung eine Durststrecke. Erst das Ausnahmetalent Fabian Cancellara bringt neue Erfolge. Der Berner, ursprünglich ein Spezialist für Zeitfahren, entwickelt sich zum Gesamtsieger der TdS im Jahr 2009. Bis dato ist dies der letzte Schweizer Gesamtsieg – aber die Legende der Tour de Suisse lebt dennoch ungebremst weiter.
Auch wir von MyBikePlan verfolgen die diesjährige Tour de Suisse gespannt mit! Übrigens: Wusstest Du, dass wir neben E-Bikes auch reguläre Velos von grossen, bekannten Marken im Sortiment haben, mit denen Du Deine Leistung auf ein neues Niveau bringen kannst? Schau Dich gerne um!